In Erwartung der zahlreichen Käufer begrüsst die Präsidentin, Irmgard Wolf, bereits vorher
die Ehrengäste und vielen Helfer des Frauenclubs.

Spitzenmieder und Muffins                 19.03.2012 - WIESBADEN
                                                               Von Julia Anderton

FRÜHLINGSBASAR Großer Andrang beim deutsch-amerikanischen Frauenclub
Mit Kennerblick durchforstet die brünette Mittzwanzigerin die Kiste. Das Handy klingelt. Sie ignoriert es, kramt weiter. Dann ein Strahlen: Sie reckt eine „Grease“-LP empor und wedelt mit der freien Hand eifrig in der Luft herum, bis ihre Freundin erscheint. „Guck’mal, genau das Richtige für Silkes Geburtstag!“, freut sie sich. Diese Szene hat sich weder auf einer Musikbörse noch in einem Second-Hand-Shop abgespielt - die junge Frau hatte sich wie Hunderte anderer Schnäppchenjäger zum Frühlingsbasar des Deutsch-Amerikanischen und Internationalen Frauenclubs Wiesbaden in den Kurhaus-Kolonnaden aufgemacht.
„Für uns hat das Tradition, wir sind schon zum fünften Mal dabei“, sagt Helmut Anders aus Nierstein. Zwei Tüten voller Bücher hat er bereits gekauft und blättert nun in Dürrenmatts „Das Versprechen“. Direkt neben ihm ist eine junge Asiatin in einen Liebesschmöker vertieft, auch sie hat bereits eine prall gefüllte Tasche vor sich stehen. Sie hat noch viel vor sich, denn der Buchmarkt ist nur ein Teil des Flohmarktes.
Anna Lisk ist mit ihrem Freund Alex hier. Sie steuern gezielt auf die zweite Halle mit Geschirr und Küchenbedarf zu. „Wir ziehen bald zusammen. Weil wir beide noch in der Ausbildung sind, haben wir nicht so viel Geld für die ganzen Anschaffungen. Eine Freundin hat uns den Tipp gegeben, es mal hier zu versuchen.“ Mit Erfolg: Wasser- und Weingläser haben sie bereits ausgesucht, nun begutachten sie Dessertschälchen in Apfelform. Nebenan gibt es die passende Tischwäsche dazu.
Mehr Gedränge herrscht noch an den Ständen, die gebrauchte Kleidung verkaufen: Shirts zu einem Euro wechseln ebenso den Besitzer wie edle Abendrobe, schnieke Herrenwesten oder raffinierte Spitzenmieder. Für die Kleinen gibt es Kuscheltiere, englischsprachige DVDs und Puzzles, die mit touristischen Fotografien vom Münchner Marienplatz oder Heppenheim an der Bergstraße von den Besichtigungstouren ihrer ehemaligen Besitzer berichten. Den kleinen Jesko interessiert das nicht. „Wann kriege ich endlich Kuchen?“, fragt der Dreikäsehoch immer wieder aufgeregt seine Oma, die den Stapel mit Hörspielen durchsieht. „Das frage ich mich auch“, schmunzelt sein Großvater. „Um ehrlich zu sein, bin ich nur deswegen mitgekommen.“ Da dürfte er nicht der Einzige sein, die lange Schlange im deutsch-amerikanischen Kaffeehaus spricht Bände. Neben Mohnstriezel reihen sich Espressotorte und Apfelstrudel, Orangenmuffins und Cheesecake locken ebenso wie Nougattörtchen und Frikadellen, für diejenigen, die es eher herzhaft lieben.
Tatsächlich ist die Imbisstheke für einen Großteil der Einnahmen verantwortlich, bestätigte Clubpräsidentin Irmgard Wolf. Sie und ihre Helferinnen sind selbst aktiv, verkaufen fleißig Lose für die große Tombola, bei der es dank zahlreicher Sponsoren attraktive Preise wie Restaurant- und Friseurgutscheine oder gar ein Wochenende in Luxemburg zu gewinnen gibt. 20 000 Euro kamen im vergangenen Jahr auf diese Weise zusammen. „Das möchten wir auch diesmal wieder schaffen! Vielleicht sogar ein bisschen mehr.“ Verteilt wird der Erlös an gemeinnützige Vereine und Institutionen wie Herzenswärme, Heilsarmee, Albatros, Auxilium oder auch den Army Community Service.
180 Mitglieder aus 16 Nationen hat der Deutsch-Amerikanische und Internationale Frauenclub Wiesbaden zur Zeit. Deutsche, Amerikanerinnen und Britinnen bilden die Mehrheit, doch es sind auch Frauen aus Japan, Panama, Schweden oder Indonesien dabei. Auch wenn Nachwuchs vorhanden ist, hofft der Vorstand auf weitere Verstärkung, etwa durch den baldigen Zuzug des US-Hauptquartiers.

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